Über Nacht zur Staatsfeindin Nr.1 gekürt – wenn Richter irren

 

6 Uhr morgens in Augsburg, wenn es klingelt…

Damals besaß ich ein schönes großes Haus im Augsburger Schlachthofquartier, welches ich mit meinem drei Hunden bewohnte. Meine Mutter lebte ebenfalls in dieser Wohnanlage in einer Eigentumswohnung. Wegen meines laufenden Geschäfts in Hamburg pendelte ich jedoch nur von Zeit zu Zeit nach Augsburg, um dort in meinem Haus nach dem Rechten zu sehen und meine Familie zu besuchen.

Es war ein Tag wie jeder andere, als ich wieder einmal zu Besuch war und nichtsahnend morgens um 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde durch das Klingeln an der Haustür.

Es war die Polizei, die mich mit einem Hausdurchsuchungsbefehl vor meiner Tür erwartete! Mein Haus wurde daraufhin stundenlang auf den Kopf gestellt. Selbst die Gefriertruhe wurde vom Suchtrupp durchstöbert.

Als ich mich getraut hatte zu fragen, was denn der Grund der Durchsuchung sei und nach was eigentlich gesucht wurde, erfuhr ich, dass es um Geld ging.

Der Hintergrund hierzu war ein „Verstoß gegen das Ausländergesetz“.

Ich erwiderte zu diesem Zeitpunkt noch sehr gelassen: „Selbst die Wahrscheinlichkeit umgebracht zu werden sei höher, als dass sich dieser Vorwurf bestätigt.“

Die Polizei hat mein großes Haus auf den Kopf gestellt und ging dabei sehr forsch und rücksichtslos vor.

Als einer meiner kleinen Hunde aufgrund der ganzen Aufruhr zu bellen begann, fuhr mich einer der Beamten an:  „Wenn ich den „Köter“ nicht wegschaffe, würde er ihn gegen die Wand klatschen!“

In dieser Tonlage ging die Hausdurchsuchung weiter. Ich stand unter Schock und saß nur noch regungslos am Esstisch.

Einer von ihnen fragte mich plötzlich:“ Wo denn mein „Macker“ sei? Er hatte einen Schlafanzug auf meinem Bett liegen sehen. Ich erwiderte ihm, dass ich hier allein lebe und dies der Pyjama meines kürzlich verstorbenen Vaters sei, den meine Mutter mir gebracht hat.

Nahezu alles an Wert wurde beschlagnahmt, mein Bargeld – Kreditkarte und mein Auto. Es war ein neuer Mercedes, den ich mir kurz davor gekauft hatte, da ich immer viel gearbeitet, meinen Betrieb selbst sauber gemacht und letztlich auf Urlaube verzichtet hatte, um die Hypotheken für meine Immobilien abzubezahlen.

Als ich gefragt hatte, ob ich ihn aus der Garage fahren soll, wurde mir erwidert: „Ich setze ihn doch eh gegen die Wand.“

Das Auto sei ein Tatmittel, welches dann auch sogleich in die Asservatenkammer des Polizeipräsidiums wanderte und zu einem späteren Zeitpunkt versteigert wurde…

 

 

 

 

 

 

 

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Wie sich mein Leben über Nacht komplett veränderte

Ergebnis der Durchsuchung, die im Übrigen zeitgleich in Hamburg in meinem Betrieb sowie meiner privaten Hamburger Wohnung stattfand, war die Erlassung eines Pfändungsbeschlusses durch die Staatsanwaltschaft über 960.000 EUR. Was sich auf den 1. Blick wie eine utopische Summe anhört, die in keiner Relation zum Tatverdacht steht, kann ich euch nur sagen, dies ist kein Einzelfall. (siehe o. g. Zeitungsartikel)

Meine Versicherungen wurden von der Staatsanwaltschaft aufgelöst, meine Wohnung in Hamburg verkauft, das Auto wurde vom Gericht versteigert, usw., um diese Unsummen an Geld heranzuschaffen. Das konnte ich bei Gott mit meinem kleinen Betrieb nicht schaffen, selbst wenn ich rund um die Uhr gearbeitet hätte.

Hintergrund der Hausdurchsuchung war, dass eine Nachbarin in Hamburg aus dem von mir geförderten Sozialbau neben meinem Betrieb beobachtet hätte, wie fremdländische Frauen dort ein- und ausgingen. Es bestand der Verdacht, dass Ausländer illegal von mir beschäftigt wurden.

Man muss dazu sagen, dass meine Bar nebst Zimmervermietung für die Öffentlichkeit frei zugänglich war, jeder konnte dort ein- und ausgehen, etwas bestellen oder ein Zimmer buchen.

Die erwähnten Frauen waren von sogenannten Schleusern, mit denen ich weder zu tun noch davon gewusst hatte, nach Deutschland gebracht worden und wollten sich bei mir etwas Geld verdienen, um wieder mit dem Bus zurück nach Hause zu ihren Familien fahren zu können. Diese Frauen lebten weder auf Staatskosten, noch gingen sie der Arbeit unfreiwillig nach. Es war ihre eigene freie Entscheidung gewesen und ich wollte ihnen lediglich helfen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal selbst vor Ort, war jedoch als „Betreiberin“ natürlich gesetzlich verantwortlich und damit haftbar.

In den 42 Jahren meiner Geschäftstätigkeit hatte ich immer Menschen geholfen und nie gedacht, dass mir so etwas einmal passieren könnte.

Die Staatsanwaltschaft und deren Mitarbeiter hatten mich im Polizeipräsidium stundenlang verhört und immer wieder mit den gleichen Fragen gelöchert. Ich konnte jedoch immer nur obiges erneut beteuern. Alles verlief immer sehr harmonisch bis zu diesem Zeitpunkt. Unsere Gäste zahlten meist mit Karte und hatten sich noch dazu Bargeld für Taxi, Geschenke an die Frauen oder Ähnliches auszahlen lassen, wie das heutzutage an jeder Supermarktkasse gang und gäbe ist. All diese Einnahmen, inklusive der Zimmermiete, wurden von mir immer ordnungsgemäß versteuert.

Zu dem Vorwurf, dass ich so gut wie nie selbst in meinem Laden vor Ort sei, konnte ich nur entgegnen, dass es als Inhaberin eines Geschäftes zu meinen Pflichten gehöre, sämtliche organisatorische wie betriebswirtschaftliche Erledigungen rund um das Geschäft zu tätigen (eben, weil mir ja so viel an meinem Betrieb lag) und es mir somit eben zeitlich oftmals nicht möglich war, selbst vor Ort zu sein.

Zu guter Letzt meinte der Richter dann relativ ungehalten: „Ich müsse mich schuldig bekennen, dann sei ich im Sinne der Anklageschrift aus der Sache raus, bezahlen müsse ich schließlich dennoch!“

 

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Ein (Staats-)Deal mit schweren Folgen

Irgendwie hatte ich es damals geschafft, die Telefonnummer des zuständigen Richters ausfindig zu machen und rief ihn kurzerhand an. Ich wollte meine „erzwungene“ Aussage rückgängig machen, da Freunde mir in guter Absicht dazu geraten hatten, das zu tun. Es sei falsch und würde zudem viele Jahre dauern, bis überhaupt ein Urteil gefällt werde. Ich war damals zum einen sehr unerfahren und hatte zum anderen auch große Angst um meine Hunde.

Als der Richter schließlich ans Telefon ging, gab er mir im Gespräch zu verstehen, dass das nicht mehr ginge, es sei ein zu großer Aufwand und würde Jahre dauern.

Ich hatte Angst, nun jedoch mehr in der Annahme, dass ich noch eingesperrt werden würde und somit erneut dem Deal zugestimmt.

Zu dieser Zeit war ich noch mit meinem Mann verheiratet. Er hatte mir zu Lebzeit sein Haus überschrieben. Ich hatte jedoch darauf bestanden, dass er Nießbrauch beim Notar eintragen ließ, da er dort gerne lebte und vielen Tiere betreute. Mir fehlten damals genau 100.000 EUR zur Zahlung an die Staatsanwaltschaft (es waren 400.000 EUR sofort fällig + ca. 100.000 EUR Anwaltskosten!), die mir drohte mich einzusperren, wenn ich das Geld nicht bezahlen könne.

Kurze Zeit später verunglückte dann zu allem Überfluss auch noch mein Mann tödlich. Ich war in dieser Zeit gerade eine Woche in Hamburg gewesen und musste somit wieder kurzerhand nach Augsburg.

Auszug aus der Trauerrede:

Warum? Dieses Wort „warum“ steht unsichtbar über dieser Trauerfeier, steht über dem weiteren Leben der Hinterbliebenen, quälend, marternd und lässt sich nicht wegschieben…

…Wenn wir aber das Wort „warum“ in „wozu abändern, in die Frage, die sich auf die Zukunft richtet, die lauten könnte:

„Wozu hat mir das Leben ein solches Schicksal auferlegt, wohin will mich das Leben haben?“

Wenn wir so fragen, bekommen wir möglicherweise sogar eine Antwort…

(Rodenstein-Cristl, Winfried)

 

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Eine Verkettung schicksalhafter unglückseliger Ereignisse

Der aktuelle Wert unseres Hauses wurde damals von der Sparkasse auf 1.100.000 EUR  geschätzt. Aufgrund des permanenten unaushaltbaren Druck, unter den mich die Staatsanwaltschaft gesetzt hatte, musste ich das Haus zwangsläufig kurzerhand für 100.000 EUR verkaufen. Ich hatte das Objekt mit samt der Tiere und Pflanzen in die Obhut von mir scheinbar vertrauensvollen Menschen gegeben. Der Notar warnte mich noch, dass ich nach der Aushändigung der Papiere keinerlei Rechte mehr hätte und man dies üblicherweise erst nach Überweisung der Kaufsumme tätige. Hingegen aller Vernunft tätigte ich dennoch den Verkauf, um dem Zeitdruck des Strafverfahrens zu entgehen und das Geld an den Staatsanwalt abtreten zu können.

Der Notar sollte jedoch in diesem Fall Recht behalten. Ich war leider nur Mittel zum Zweck. Der Zutritt ins Haus wurde mir von dort an von den neuen Eigentümern verwehrt und die Kaufsumme wurde um ein Wesentliches später gezahlt, als vereinbart.

Bei meinem Mann zuhause war es immer das „Paradies auf Erden“ gewesen, ich hatte jedoch zu dieser Zeit leider andere Sorgen. Ich konnte Nachts nicht mehr schlafen. Ständig hörte ich die Schritte der Beamten, die meine Wohnung über Stunden hinweg durchsucht hatten… wieder und wieder, Nacht für Nacht. Und noch heute höre ich sie manchmal. Diese Angstattacken sind mir bis heute als psychische Belastung in Folge der Geschichte geblieben.

Ab diesem Zeitpunkt wurden mir Jahr für Jahr immer wieder neue Geldsummen hinzugeschätzt. Sei es in Bezug auf Umsatz-, Gewerbe- und Einkommenssteuer, Kirchensteuer (Ich wurde von der Kirche bis nach Augsburg verfolgt und sollte immer weiter bezahlen, aber das wird eine andere Geschichte). Hinzu kamen noch die Zahlungen an die Anwälte, die alle zeitnah ihr Geld wollten.

Und dennoch habe ich immer fleißig weiter gearbeitet, viel abgegeben und bin fröhlich geblieben, da ich ja mein Geschäft nicht noch weiter schädigen wollte!

 

 

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Warum schreibe ich das hier?

Die Menschen sollen erfahren, zu was der Staat fähig ist und wie schnell man bereits als schuldig befunden wird, obwohl man noch nicht einmal schuldig im Sinne der des Gerichts gesprochen wurde. (bereits auf meinem Rückweg nach Hamburg, noch vor Bekanntgabe des Urteils verkündeten die Zeitungen meine „Straftat“: Verstoß gegen das Ausländergesetz)

Die Ironie der Geschichte:

Meine persönliches Erlebnis war Anstoß dafür, dass noch etliche weitere „(Staats-)Deals“ mit erzwungenen Geständnissen, aufgedeckt wurden. Mir wurde im Nachgang vom Richter selbst mitgeteilt, dass meine Strafe deshalb so „gelinde“ ausgefallen war, weil ich schließlich maßgeblich dazu beigetragen hatte, neue Gesetze mit zu entwickeln.

 

 

 

 

 

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